Gute Laborarbeit beginnt vor dem Start

Welche Probe darf als Nächstes in Bearbeitung gehen? Entscheidend sind nicht nur Dringlichkeit und Eingang, sondern auch vollständige Informationen, verfügbare Ressourcen und die nächsten Prozessschritte. Definierte Plätze und sichtbarer Status können die Entscheidung unterstützen. Wer priorisiert und wer einen Start zulässt, muss im Ablauf geklärt sein. Lagerung, Stabilität und zulässige Wartezeiten bleiben verbindlich. Wer entscheidet in Ihrem Labor, was jetzt beginnen darf?

Im Labor ist ein voller Arbeitsplatz noch kein Zeichen für guten Arbeitsfluss. Wenn jede eingehende Probe sofort in Bearbeitung geht, können parallel begonnene Aufgaben, Rückfragen und Wartezeiten entstehen. Entscheidend ist deshalb schon vor dem ersten Arbeitsschritt: Was soll jetzt beginnen – und was muss zunächst warten?

Das Whitepaper „Lean Labor – Die Architektur guter Arbeit“ formuliert es so: „Gute Organisation beginnt nicht mit schneller Arbeit. Sie beginnt mit der Entscheidung, welche Arbeit überhaupt beginnen soll.“

Für eine wiederkehrende Probenvorbereitung heißt das: Vor dem Start werden Auftrag und Probenidentität geklärt, erforderliche Informationen geprüft und die benötigten Personen, Geräte und Materialien eingeplant. Auch die Kapazität für nachfolgende Schritte und den Review gehört in die Entscheidung. Dringlichkeit allein ersetzt diese Prüfung nicht.

Ein mögliches Praxisbeispiel: Am Probeneingang bleiben noch nicht zur Bearbeitung zugelassene Proben von den aktuell bearbeiteten Proben unterscheidbar. Eine zuständige Person entscheidet anhand vereinbarter Kriterien über den nächsten Start. Identität, Status, Verantwortung und nächster Schritt bleiben nachvollziehbar. Vorgaben zu Lagerung, Stabilität und zulässigen Wartezeiten gelten dabei weiterhin.

5S kann diese Entscheidung am Arbeitsplatz unterstützen: definierte Plätze und sichtbare Statusinformationen machen die vereinbarte Trennung erkennbar. Die Priorisierung und die erforderliche Kapazität müssen jedoch organisatorisch geklärt werden.

Ob eine solche Regel hilft, lässt sich lokal prüfen: Wie viel Arbeit ist gleichzeitig begonnen? Wie lange warten Proben zwischen den Schritten? Werden zugleich Stabilitätsgrenzen, dringende Bedarfe oder nachgelagerte Prüfungen beeinträchtigt? Eine passende Startregel entsteht aus dem konkreten Ablauf – eine allgemeingültige Höchstzahl gibt es nicht.

Prüfen Sie bei einem wiederkehrenden Ablauf: Wer entscheidet heute, welche Arbeit beginnen darf – und ist diese Entscheidung am Arbeitsplatz erkennbar?

 

Drei Fragen für Ihren Ablauf

Sind Auftrag, Identität, Informationen und Ressourcen vor dem Start geklärt?

Bleiben Lagerung, Stabilität und zulässige Wartezeiten eingehalten?

Wie entwickeln sich gleichzeitig begonnene Arbeit, Wartezeiten und Gegenwirkungen?